STEFAN STICHLER

(MALEREI, OBJEKT)

 

6.3.1972 16:55 geboren in Marburg

3.5.1991 13:48 Abitur in Frankfurt am Main

21.4.1998 16:00 Beschluss, sich an einer Kunsthochschule in Frankfurt zu bewerben. 

21.4.1998 16:51 Beschluss, sich nicht an einer Kunsthochschule in Frankfurt zu bewerben.

 

Seit 2003 zahlreiche Einzel-und Gruppenausstellungen. 

Vertreten in zahlreichen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen.

Seit 2015 vertreten durch Leander Rubrecht, RUBRECHTCONTEMPORARY

 

AS I BECOME INVISIBLE

 

Ein Zitat aus Jem Cohen’s Film „Lost Book Found“ lautet: „As i became invisible for the people on the street, i was able to see things that has been invisible to me before.“

 

Stichler`s Gemälden liegen Filmstills aus „Lost Book Found“ zugrunde, dessen Inhalte sich in seiner Arbeit wiederfinden und ergänzen. In der poetische Darstellung des täglichen Gewühls, der Menschen und den vermeintlich alltäglichen Verrichtungen in den Straßen einer Großstadt, entdeckt Stichler Parallelen und Überschneidungen zu seinen Arbeiten, die er in einer für ihn bisher neuen Art und Weise entstehen lässt.

 

Zunächst entstehen Zeichnungen und Linoldrucke, um sich den ausgesuchten Augenblicken bzw. Motiven anzunähern, wie er sagt: „Um in die Situation besser eintauchen zu können, sie durch die Hände aufzunehmen“. So entstehen hochwertige Zeichnungen und Linoldrucke in Kleinsteditionen, welche als Ausgangsmaterial einerseits eine kostbare Serie des neuen Zyklus darstellt, und andererseits gleichsam den Abschluss in den großformatigen Ölgemälden finden.

 

Der Künstler ist Beobachter, Entdecker und stiller Verarbeiter dessen was sich ihm zeigt. Stichler’s Bildmotive sind aus dieser Beobachterperspektive gemalt. Sie sperren sich gegen eine genaue Interpretation oder gar Aussage, was sich auch in der verschwommenen, nicht zu genau werdenden Maltechnik widerspiegelt. Es ist der Bruchteil einer bestimmten Situation die Ihn interessiert. Die Haltung eines in der Mittagspause sitzenden Büroarbeiters, das konzentrierte Hantieren eines Händlers oder aber der Blick eines alten Mannes gen Himmel. Wo sind diese Personen in diesem Moment? Welches Gefühl wird ihnen zuteil und welchen Gedanken hängen sie nach?

Es sind oft kurze, schwer erkennbare Momente in den von Menschen, Geräuschen und Werbetafeln übersäten Großstädte. In mehr oder weniger großen Mengen leben sie miteinander, teilen ähnliche Tagesabläufe und Interessen und sind doch oft allein oder in ihrem eigenen Kosmos gefangen. Was macht so ein Leben mit einem Menschen, der ständig mit Lebensentwürfen, Ratgebern und selbsterhaltenden Gesundheitsprogrammen konfrontiert wird? Wird die Welt zur Fiktion? Gerät man unerwartet in den Strudel, den die eigene Realität mit dieser Scheinwelt eingeht – verliert man sein eigenes Ich? Oder wird man durch „links” und „likes“ in einer Gesellschaft erst zugehörig?

Verliert man sich, seine ursprünglichen Wünsche und Ideen? Der Betrachter soll sich in Stichlers Arbeiten ertappt fühlen – sich selbst wiederentdecken. Er möchte so seinen Teil zur Rebellion beitragen – dem Betrachter sein eigenes Ich vorhalten – um Antworten auf seine Fragen finden zu können.

 

Es ist der Beginn dieses neuen Arbeitszyklus. Ende Oktober 2015 wurden die ersten großformatigen Gemälde präsentiert, sowie Zeichnungen und Linoldrucke, welche als Skizzen den kontinuierlichen Weg dieses Zyklus aufzeigen und diesen in Form künftiger Gemälde abschließen werden.

 

© Text by Leander Rubrecht und Stefan Stichler

IMPRESSIONEN