Johannes-Nandu Kriesche – Sii MISTERIOSO

Eröffnet durch einen kurzweiligen Dialogs zwischen Johannes-Nandu Kriesche und dem Galeristen Leander Rubrecht.Eröffnet durch einen kurzweiligen Dialogs zwischen Johannes-Nandu Kriesche und dem Galeristen Leander Rubrecht.
Die Ausstellung wurde eröffnet durch einen kurzweiligen Dialogs zwischen Johannes-Nandu Kriesche und dem Galeristen Leander Rubrecht.

 

Als Neujahrsausstellung zeigt die Galerie vom 10.02. – 22.03.2024 die Ausstellung Sii MISTERIOSO, eine sorgfältig ausgewählte Werkschau aus 25 Jahren der Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Künstler Johannes-Nandu Kriesche. Tiefgründige Bildwelten aus Paraffin, Öl, oder Acryl treffen auf spannende, zum Teil leuchtende Objekte zum Thema Zeit: Kunstwerke, dessen roter Faden die Transparenz versus Vielschichtigkeit und das Geheimnis des Lichts verbindet. Kriesche gehört zu den ersten Künstlern, welche der Galerist Leander Rubrecht bei seiner Gründung 1998 aufgenommen hatte. Ein Zeugnis der Kontinuität in einer schnelllebigen Zeit mit einhergehenden Nominierungen und Kunstpreisen.

DER KÜNSTLER ÜBER SEIN WERK

Abb.: Lob der Bescheidenheit-2.0, Johannes-Nandu Kriesche
Abb.: Lob der Bescheidenheit-2.0, Johannes-Nandu Kriesche

"Leben ist Kunst und Kunst ist Leben, nach dieser Maxime entwickelt Kriesche seine Arbeit im Atelier seit über 35 Jahren. "Ich gehe vom eigenen Erleben aus, was mir ab und zu das Gefühl gibt, einer Inspiration folgen zu müssen."

 

Das ist eigentlich alles, könnte man meinen, aber in der heutigen Zeit ist die Suche nach Motiven und optischen Inspirationen, wie es viele Maler früher taten, nicht mehr ausreichend. Heute steht die Story, das Konzept ganz oben und hat einen festen Platz. Wer sich, wie Kriesche, der Stringenz entzieht und sich auf sein eigenes Auge eines Malers verlässt, kann auch Inspirationseindrücke direkt in poetische Kompositionen verwandeln.

 

"Inhaltlich bewegen mich die gesellschaftlichen Fragen, Beobachtungen und Haltungen unserer Kultur der Gegenwart. Fragen nach Diversität, wie die offene Gesellschaft, unser Konsumverständnis oder die Demokratieentwicklung berühren mich. Dies gab und gibt mir immer wieder die Energie, weiter einen Spiegel der Zeit künstlerisch zu erarbeiten. Mit der Faszination, die ich für das LICHT, die BEWEGUNG, die FARBE und die TRANSPARENZ habe, ist ein breites Spektrum an Arbeiten entstanden. Zudem ist die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Identität ein weiterer inhaltlicher Bereich meines Kunstschaffens. Die persönliche Betroffenheit ist manchmal schonungslos offen, denn ohne deren Mut gäbe es wohl keine Veränderung. Der Kunstname Nandu in meinem Vornamen knüpft daran an. Er ist ein Spiel mit meiner eigenen Identität. Er kann in dem Bild Chi (italienisch: wer) als "ich" umgekehrt gelesen werden. Das Bild gehört zu meiner Reihe Swanlike, ein Bilderzyklus zum Genderthema. Einen Doppelvornamen zu wählen, der einem kleinen in Südamerika lebenden Vogel Strauß angelehnt ist, hat für mich neben dem performativen Charakter noch mehrere weitere Bedeutungen.

 

Schon Man Ray, bürgerlich Emmanuel Rudnitzky, und Marcel Duchamp haben das Publikum mit dem Kunstgeschöpf und Alias des Frauennamens Rose Sélavy83 irritiert. Diese Freiheit gefiel mir. Ich erinnerte mich an ein Märchen aus meiner Kindheit, in dem ein Mann in einen kleinen Straußenvogel (Nandus) verwandelt wurde. In meiner Werkreihe Swanlike, einer Reihe in Acryl, Öl und Paraffin auf Leinwand, habe ich neben Tiefseelebewesen, mythologischen Figuren, auch Schwäne einbezogen, als Sinnbild der ästhetischen Angleichung der Geschlechter. Martin Walser, der einmal ausführte, dass es Männern manchmal an einer gewissen weiblichen Praxistauglichkeit fehle, die Welt besser und anders zu empfinden, kann ich gut verstehen. In der Serie "inner circle" – entstanden in der Coronazeit – entdeckte ich einen femininen Farbkanon, der in 12 Bildern endete: eine fordernde Farbigkeit mit neuen Tönen im Violett/Rot-Bereich. Ich empfand diesen Farbklang als passende Antwort zu meinem inneren Gefühl in der Pandemie-Krise.

 

Paraffin mit seinen Eigenschaften der Unschärfe und immer auch der Uneindeutigkeit ist eines meiner Lieblingsmaterialien. Niemals kann der Hintergrund als scharf und damit makellos gesehen werden. Durch eingeritzte Linien in die dicke Schicht des Paraffins habe ich Bilder, wie das Bild "Lob der Bescheidenheit 2.0" mit einer Tiefenwirkung entwickelt, die den Hintergrund erst aus der Distanz gut erkennen lässt. Das Bild fängt an zu atmen, ein Kontrast zum schwebenden Moment. Eine liegende Figur ruht sich melancholisch auf dem Würfel aus Dürers Melancholia aus, im Hintergrund ein Containerschiff im Hafen bei Nacht.

 

Kunst ist für mich eine Art Umarmung des Universums, in der fast alles möglich war und ist. Eine Art Medium der Kunst zu sein bedeutet für mich in mich hineinzuleuchten und dort zu finden, die fortgeführte kultivierte Melancholie, ein Grundstein unserer Kultur.

Musenbusen, 2015, Glas-Metall-Pinsel, 18 x 11 cm
Musenbusen, 2015, Glas-Metall-Pinsel, 18 x 11 cm

In meinen Glaskugel- /Acrylglasarbeiten habe ich meine Palette noch einmal erweitert, nun um die Frage der möglichen Materialien. In dem Bild "Zentrumsgeflüster 1" steht ein Hermaphrodit im Zentrum, eine griechische Skulptur aus dem Louvre. Früher galten menschliche Uneindeutigkeiten als Fügung Gottes und wurden besonders sensibel als heilig betrachtet. Ursprünglich war der Hermaphrodit eine besonders auf Zypern als Gottheit verehrte männliche Form der Aphrodite Heute gibt es die Tendenz zur Akzeptanz, das eigene Ich so auszuleben wie es dem Einzelnen gefällt. Eine Kultur des Individuellen auch im Geschlecht, die es so noch nie gab. Die scharf konturierten Acrylglas-Schwingungen in der Mitte des Bildes weisen auf meine weitere Inspiration durch die neuere Genetik-Forschung (Optogenetic) in der Medizin, bei der nach Möglichkeiten gesucht wird, mit Licht zu heilen, eine vielversprechende, neue, noch etwas unheimliche Methode. In diesem Zusammenhang kann auch mein Objekt "Musenbusen" gesehen werden. Eine einfache Inspiration im Atelier durch einen Trichter, der an der Wand hing, veranlasste mich, diesen mit einem Pinsel und erstmals mit Glaskugeln aus der Industrie zu veredeln und zu transponieren. Eine neue Schaffensphase war geboren.

 

Arbeit : Bewegungssinn

Acht Scheiben aus Paraffin mit einer Acrylglasscheibe in der Mitte stehen symbolisch für zwei Autos. Im Hintergrund erscheinen die Silhouetten von Städten. Dazwischen sind die Fotoaufnahmen der Serie des US-amerikanischen Fotografen Eadweard Muybridge (1830-1904) The Horse in Motion zu sehen, bei der er bewies, dass ein Pferd im Galopp immer wieder schwebt.

 

In der Bildreihe “Wenn die Vernunft die Augen schließt“ habe ich ein Jahr lang Terroranschläge in Paris und an anderen Orten Europas bearbeitet. In einer Warschauer Zeitung sah ich ein Bild wie kein anderes. Es zeigt, wie ein junger, verletzter Mann von Feuerwehrleuten getragen wird. Mir gefror buchstäblich das Blut in den Adern. Ich sah ein tief religiöses Gefühl, mit dem der Fotograf gleichsam eine Kreuzabnahme festgehalten hatte. Es ging für mich mit dem Anschlag im November 2015 auch um einen Anschlag auf alle Künste, auf das Lebendige, auf das Staunen, das neue Energien und Fragen schenkt.

 

Werke aus 25 Jahren Schaffenszeit (Leihgaben und Werke zum Verkauf)

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