WIESBADENER FOTOTAGE 2013

WIESBADENER FOTOTAGE 2013

07.–22.09.2013

 

Festivalthema: IM LAUF DER ZEIT

gezeigt werden in der Galerie die Künstlerin Christine Straszewski und die Künstler Oliver Fluck, Kurt Laurenz Theinert, Ralf Kopp

 

Zur Ausstellung:

Chronos & Chiffre: Dimensionen der Zeitlichkeit

Oliver Fluck, Kurt Laurenz Theinert, Christine Straszewski, Ralf Kopp

In der zeitgenössischen Kunst fungiert die Kamera längst nicht mehr nur als Instrument der Dokumentation, sondern als Seziermesser der Wahrnehmung. Die hier versammelten Positionen widmen sich der Dekonstruktion des Augenblicks. Sie hinterfragen die Linearität der Zeit und ersetzen das „Hier und Jetzt“ durch ein „Dauer und Überall“.

 

Oliver Fluck: Die Summe der Bewegung (SCHWEIF)

Oliver Flucks Arbeiten der Serie „Schweif“ sind visuelle Archive der Dynamik. Durch die Technik der additiven Langzeitbelichtung überlagert Fluck Bewegungsphasen zu einem einzigen, komprimierten Bildraum. In „Frankfurt“ wird der urbane Verkehrsfluss zu einem kinetischen Leuchten abstrahiert; die Lichtschweife der Fahrzeuge manifestieren sich als Geisterbilder einer pulsierenden Stadt.

Während Fluck in „Bangkok“ durch das „Einfrieren“ von Randgeschehen eine spannungsreiche Verzerrung der Zeitwahrnehmung erzeugt, kehrt er in „Hawaii“ das Prinzip um: Hier ist es die Erdrotation selbst, die das stationäre Firmament in Bewegung versetzt. Flucks Werke sind keine Abbilder von Orten, sondern Licht-Protokolle von Zeiträumen, die das Geschehene in einer fast physisch spürbaren Dichte aufsummieren.

 

Kurt Laurenz Theinert: Die Ästhetik der Differenz (ZEITFENSTER)

Kurt Laurenz Theinert wählt einen radikaleren, fast wissenschaftlich-analytischen Weg der Zeitdarstellung. Seine Serie „Zeitfenster“ basiert auf dem Prinzip der gegenseitigen Neutralisation von Positiv und Negativ. Alles Statische – das Beständige – wird durch die Überlagerung zweier Zeitpunkte zu einem neutralen 50%-Grau ausgelöscht. Sichtbar bleibt einzig die Veränderung.

Theinert isoliert das Flüchtige und macht den Zeitraum als Differenzwert erfahrbar. Wie das räumliche Sehen durch zwei Standpunkte ermöglicht wird, generiert Theinert ein „zeitliches Sehen“. Seine Arbeiten sind Fenster in eine Dimension, die dem menschlichen Auge im Alltag verschlossen bleibt: die reine, isolierte Transformation.

 

Christine Straszewski: Die Illusion des Selbst (ZEITEL’S TRAUM)

Mit der Fotoinstallation „Zeitel’s Traum“ führt Christine Straszewski die technisch-ästhetische Debatte in den Raum der Philosophie und Literatur. In Anlehnung an Arno Schmidts Sprachmonument „Zettel’s Traum“ entwirft sie ein Wesen, dessen „himmlischer“ Körper paradoxerweise an eine profane Autobatterie angeschlossen ist.

Diese Symbiose aus ätherischer Erscheinung und technischer Energiezufuhr verweist auf ein nichtlineares Zeitverständnis. Zeit und Raum werden hier als Konstrukte der Autobiografie, als Träume des Selbst entlarvt. Straszewski bricht die Kontinuität der Existenz auf und stellt die Frage, ob unsere Identität mehr ist als eine elektrische Entladung im Vakuum der Illusion.

 

Ralf Kopp: Die Revolte des Zeichens (DUALSYMBOLIK)

Ralf Kopp verlässt die Ebene der rein visuellen Zeitmessung und widmet sich der ikonografischen Zeitlosigkeit. In seiner Serie „Dualsymbolik“ befreit er die Hand des Gekreuzigten aus der Erstarrung der Tradition. Die Hand, die sich vom Nagel losreißt, um in universellen Gesten – vom Stinkefinger bis zum Victory-Zeichen – zu kommunizieren, ist ein Akt der filmischen Sequenzierung innerhalb der Fotografie.

Kopp holt den Kruzifixus zurück in die alltägliche Wirklichkeit. Die Gesten sind ein subversives Signalsystem, das über die kirchliche Deutungshoheit hinausweist. Es ist die Selbstbehauptung gegenüber der Geschichte: Ein ungebrochener Mitteilungswille der „ans Kreuz geschlagenen“ Völker. Kopps Arbeiten sind „Work in Progress“ im wahrsten Sinne – eine fortlaufende Aktualisierung eines uralten Symbols, das durch den Eingriff des Künstlers eine neue, rebellische Zeitgenossenschaft erfährt.

 

Impressionen

  RUBRECHTCONTEMPORARY

Galerie Leander Rubrecht

 

Galerieadresse: Büdingenstrasse 4-6, 65183 Wiesbaden, Deutschland

 

Fon: +49 (0)611 1688 5570 (Mobile: +49 (0)176 816 650 31)

 

eMail: [email protected]

 

Öffnungszeiten: Mi–Fr von 14–18 Uhr.

Gerne vereinbaren Sie einen Besichtigungstermin auch zu anderen Wochentagen.

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