[HAI:P] – Zwischen Hype, Haifischbecken und der Sehnsucht nach Substanz
Uwe Groß, Christine Straszewski, Miroslav Wiedermann, Silja Yvette, Deniz Alt, Marck, Sebastian Mögelin
06.12.2013–22.01.2014
Der Titel der Ausstellung [HAI:P] ist Programm und Provokation zugleich. Als lautmalerisches Hybrid vereint er zwei der prägendsten Phänomene des zeitgenössischen Kunstbetriebs: Den „Hype“, jene kurzlebige, oft künstlich befeuerte Euphorie des Marktes, und das „Haifischbecken“, die metaphorische Arena, in der Künstler, Galeristen und Sammler um Sichtbarkeit, Deutungshoheit und ökonomische Dominanz ringen.
Vom 06. Dezember 2013 bis zum 22. Januar 2014 versammelte der Kurator Leander Rubrecht eine Gruppe von sieben künstlerischen Positionen, die sich dieser komplexen Dynamik stellten. Die Aufgabe war ebenso präzise wie herausfordernd: Eine Reflexion über die Beziehung zwischen bildender Kunst und ihrer medialen Spiegelung. In einer Zeit, in der der „Marktwert“ eines Werkes oft seine „inhaltliche Relevanz“ zu überstrahlen droht, suchte [HAI:P] nach der Substanz hinter der glitzernden Oberfläche der Schlagzeilen.
Die Künstler: Sieben Perspektiven auf ein System
Die Auswahl der Exponate zeigt ein breites Spektrum an Reaktionen auf den „Kunstbetrieb als Sujet“.
Uwe Groß und Miroslav Wiedermann bringen malerische und strukturelle Tiefe ein, die sich gegen die Flüchtigkeit des schnellen Konsums stemmt.
Christine Straszewski und Silja Yvette nutzen die Fotografie und konzeptionelle Ansätze, um die Inszenierung von Realität und die Konstruktion von Identität im medialen Zeitalter zu hinterfragen.
Deniz Alt verwebt in seinen Arbeiten oft gesellschaftspolitische Fragen mit einer intensiven Figuration, während Sebastian Mögelin durch formale Strenge und Materialität einen Gegenpol zur digitalen Reizüberflutung bildet.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Position von Marck. Seine Video-Skulpturen, in denen physische Begrenzung auf digitale Endlosschleifen trifft, versinnbildlichen par excellence das Gefühl des „Eingesperrtseins“ in den Erwartungshaltungen eines Systems.
Ein Novum: Der Award für konstruktive Kunstkritik
Das radikalste Element von [HAI:P] ist jedoch die Erweiterung des Ausstellungsraums um die diskursive Ebene. Erstmalig in der Geschichte der Gegenwartskunst wurde im Rahmen dieses Projektes ein Award für konstruktive Kunstkritik vergeben.
Dieser Preis ist ein längst überfälliger Kommentar zur Krise des Feuilletons. In einer Welt, in der Kritik oft zur bloßen PR-Meldung verkommt oder sich in elitärer Unverständlichkeit verliert, setzt dieser Award ein Zeichen für die Rückkehr zum Dialog. Es geht nicht um Gefälligkeit, sondern um die Qualität der Auseinandersetzung. Wenn das „Haifischbecken“ Kunstbetrieb überleben will, braucht es Beobachter, die nicht nur die Zähne zählen, sondern die Strömungen verstehen. Die feierliche Preisübergabe [HAI:P] TEXT AWARD erfolgte am Eröffnungsabend der Ausstellung [HAI:P] am 6. Dezember 2013.
Fazit
[HAI:P] ist mehr als eine Gruppenausstellung; es ist eine Bestandsaufnahme. Leander Rubrecht ist es gelungen, Künstler zusammenzuführen, die sich nicht scheuen, den Spiegel auf das System zu richten, dem sie selbst angehören. Die gezeigten Werke sind keine bloße Dekoration, sondern visuelle Argumente in einer Debatte über den Wert der Kunst in einer preisgesteuerten Welt.
Die Ausstellung lehrt uns: Der Hype mag die Wellen schlagen, doch es ist die Tiefe des Werkes (und die Schärfe der Kritik), die darüber entscheidet, wer im Haifischbecken besteht.
