
Balance - Marie Luise Gruhne
10.04.-05.06.2026
Vernissage am 10.04.2026. Beginn um 18:30 Uhr
Einführung durch Prof. Dr. Matthias Müller, Johannes Gutenberg - Universität Mainz, Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Marie Luise Gruhne erforscht und erarbeitet in ihren Werken Rückbindungen an archaische bzw. naturgesetzliche Strukturen als wirkendes Potential, sucht hierüber das Innehalten in einer Zivilisation mit zunehmend schnellerer Bewegung und sich abwechselnden Strömungen.
Als Teil dieser Bewegung geht sie auf die Suche nach etwas Dauerndem, einer sinnbildlichen Wirkung von Dauer, und trifft auf diese dort, wo sie menschlicher Existenz als Bedingung zu Grunde liegt – als „Existenzmuster“, wie sie es nennt: In architektonischen Strukturen spiegeln sich für Gruhne Wirkungen von etwas zutiefst Naturgesetzlichem, Basis menschlicher Existenz. „Es ist die Wirkung des Gesetzes der Schwerkraft, die sich darin fokussiert, das Tragen und Lasten im Gleichgewicht, urbildhaft sich mir mitteilender Ausdruck von Dauer, Halt und Stabilität. Und Balance.“(Marie Luise Gruhne)
In diesem archaischen, gleichfalls architektonischen Existenzmuster, wie die Künstlerin es in seinem Grundsatz in einem Tor oder Portal auf die einfachste Formel fokussiert als Wirkung wiedererkennt, wird für sie Dauer fühlbar, etwas, das immer „ist“ – unterhalb aller Zeitströmungen und Bewegungen.
In ihrem Ansatz erinnert die Künstlerin recherchierend weiter, dass Portale und Tore kulturübergreifend wiederholt im Kontext mit Gruppierungen, feierlichen Ritualen (Stonehenge, Tiwanako, der Torkult/Bolivien, Kirchenportale oder Tempel allgemein) auftauchen – immer geht es bei diesen Verortungen um ein Miteinander, um eine Suche nach Balance, um Sammlung, Kontemplation, um Halt – begleitet von einem die Zeiten überdauernden archaischen Impuls. Sie knüpft an diese Wirkungen in ihren Wandobjekten und Installationen an, macht hierin diese Kraft fühlbar, geht in einen Dialog mit ihr, beobachtet sie, zeigt deren Stärke in visuellen Analogien, erforscht jene Kraft dort, wo sie zerbricht oder gebrochen wird.
Portale und Tore berühren ihrer architektonischen Struktur immanent – so Gruhne – weitere Wirkungsebenen: Klassisch markieren sie einen Übergang, einen Übergang von außen und innen, von einem Davor und Dahinter. Sie führen auf einen Ort dahinter, räumlich und zeitlich, führen in Tempel oder Kirchen hinein, traditionell dort zu einer inneren Betrachtung, zu einer Kontemplation, können damit auch transformativer Impuls sein. Gruhne nimmt diesen Impuls in ihren Werken auf, spiegelt dialogisch solche Wirkungen.
