
Römer+Römer
Auf zu neuen Ufern
14.08. – 7.10.2026
Vernissage am Donnerstag, 13.08. um 18:30 Uhr
Einführung durch ein Künstlergespräch mit Nina und Torsten Römer und dem Galeristen Leander Rubrecht
Bilder zwischen Begegnung und Erinnerung
Mit der Ausstellung „Auf zu neuen Ufern“ präsentiert die Galerie Werke, die aus der langjährigen Zusammenarbeit des Künstlerduos Römer+Römer hervorgegangen sind und zugleich den Beginn eines
neuen künstlerischen Kapitels von Torsten Römer markieren. Der Ausstellungstitel beschreibt dabei nicht nur das Reisen im geografischen Sinn, sondern steht ebenso für Neugier, Perspektivwechsel
und die Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählen Nina und Torsten Römer zu den profilierten Positionen der zeitgenössischen figurativen Malerei. Von ihrem Atelier in Berlin aus bereisten sie zahlreiche
Länder und entwickelten eine unverwechselbare Bildsprache, die nationale wie internationale Anerkennung fand. Ihre Arbeiten stehen exemplarisch für eine zeitgenössische Form der Figuration, die
klassische malerische Traditionen mit der Bildwelt des digitalen Zeitalters verbindet. Dabei greifen Römer+Römer nicht nur die Wirklichkeit fotografischer Momentaufnahmen auf, sondern
hinterfragen zugleich, wie Bilder heute entstehen, wahrgenommen und erinnert werden. Ihre Werke wurden in Museen, Kunstvereinen und Galerien im In- und Ausland gezeigt und befinden sich heute in
bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen.
Ausgangspunkt ihrer Malerei sind persönliche Erlebnisse und intensive Begegnungen. Ob beim Basler Fasnachtsumzug, auf einem Festival auf dem Gelände eines ehemaligen sowjetischen Flughafens oder
in der Weite der Wüste Nevadas – Römer+Römer interessieren sich für jene Momente, in denen Menschen für kurze Zeit Teil einer Gemeinschaft werden. Ihre Gemälde dokumentieren diese Ereignisse
jedoch nicht, sondern verdichten sie zu atmosphärischen Bildräumen, in denen individuelle Erinnerung und kollektive Erfahrung miteinander verschmelzen. Die dargestellten Orte werden so zu
Sinnbildern menschlicher Begegnung und gemeinschaftlichen Erlebens.
Die Ästhetik der Wahrnehmung
Charakteristisch für das Werk von Römer+Römer ist die unverwechselbare pixelartige Malweise. Fotografien und Skizzen dienen als Ausgangspunkt, werden im Atelier jedoch in ein fein abgestimmtes
Geflecht unzähliger Farbpunkte übersetzt. Aus der Nähe lösen sich die Motive in vibrierende Farbpartikel auf; erst mit zunehmender Distanz verdichten sie sich wieder zu Szenen voller Licht,
Bewegung und Atmosphäre.
Diese Malweise macht den Akt des Sehens selbst zum Thema. Zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit entsteht ein faszinierendes Wechselspiel, das an die Ästhetik digitaler Bilder erinnert und
diese zugleich in das klassische Medium der Malerei überführt. Die Werke fordern dazu auf, den eigenen Standpunkt immer wieder zu verändern und Wahrnehmung als einen aktiven Prozess zu begreifen.
In einer Zeit permanenter Bilderflut setzen Römer+Römer der Flüchtigkeit digitaler Medien die Konzentration und Langsamkeit der Malerei entgegen.
Auf zu neuen Ufern
Der Ausstellungstitel erhält zugleich eine persönliche Dimension. Über viele Jahre entwickelte Torsten Römer gemeinsam mit Nina Römer die charakteristische Bildsprache des Künstlerduos. Die
intensive Zusammenarbeit war geprägt von einem kontinuierlichen künstlerischen Dialog und machte Römer+Römer zu einer eigenständigen Position innerhalb der deutschen Gegenwartsmalerei.
Mit dieser Ausstellung beginnt für Torsten Römer zugleich ein neuer Abschnitt. Die gemeinsam entwickelte Bildsprache bleibt als Fundament erhalten, wird jedoch in einer eigenständigen
künstlerischen Praxis weitergeführt und um neue Perspektiven erweitert. Der Aufbruch geschieht dabei nicht als Bruch mit dem Vergangenen, sondern als konsequente Weiterentwicklung einer über
Jahrzehnte gewachsenen künstlerischen Haltung.
„Auf zu neuen Ufern“ steht damit für mehr als das Motiv des Reisens. Die Ausstellung erzählt von Bewegung, Veränderung und der Bereitschaft, sich auf neue Horizonte einzulassen – geografisch
ebenso wie künstlerisch. Die gezeigten Werke laden dazu ein, Bekanntes neu zu entdecken und den flüchtigen Moment als etwas Dauerhaftes zu erfahren. Gerade in dieser Verbindung von
atmosphärischer Dichte, malerischer Präzision und offener Interpretation liegt die besondere Qualität der Arbeiten von Römer+Römer und ihrer Fortführung im Werk Torsten Römers.
Text von Leander Rubrecht, Juli 2026
