
WENN KUNST WEITERLEBT
– DIE GALERIEARBEIT VON LEANDER RUBRECHT AM BEISPIEL VON KEVIN CLARKE
Text von: Janine Seitz, Juli 2026
Was geschieht eigentlich hinter den Kulissen einer Galerie? Für viele Besucher endet die Wahrnehmung einer Ausstellung an den weißen Wänden des Ausstellungsraums. Tatsächlich beginnt dort oft erst die eigentliche Arbeit. Die Galerie Leander Rubrecht versteht sich nicht nur als Ausstellungsort, sondern als langfristiger Partner von Künstlerinnen und Künstlern, der Projekte entwickelt, Netzwerke schafft und Kunst nachhaltig in gesellschaftliche Kontexte überführt.
Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die seit 2018 bestehende Zusammenarbeit mit dem Konzeptkünstler Kevin Clarke. Der 1953 in New York geborene Künstler zählt zu den Pionieren der künstlerischen Auseinandersetzung mit Genetik und DNA. Bereits seit den späten 1980er Jahren beschäftigt er sich mit den visuellen Strukturen des menschlichen Erbguts und entwickelte daraus seine international beachteten DNA-Porträts.
Anfang 2026 präsentierte die Galerie Leander Rubrecht auf der Art Karlsruhe eine umfangreiche One-Artist-Show mit Werken Clarkes. Herzstück der Präsentation war die monumentale Installation „Chromo-Family“. Das Werk besteht aus vier Paaren historischer Eichenbalken, die aus einer über 300 Jahre alten Scheune im französischen Besitz des Künstlers stammen. Bemalt sind die Balken mit den spezifischen Chromosomenbändern von Mutter, Vater, Tochter und Baby einer anonymen Frankfurter Familie. Die wissenschaftlichen Vorlagen wurden von der Universitätsklinik Frankfurt erstellt. So verbindet Clarke familiäre Identität, Wissenschaft, Geschichte und Materialität zu einer vielschichtigen künstlerischen Erzählung.
Die Arbeit der Galerie endete jedoch nicht mit dem erfolgreichen Messeauftritt. Direkt im Anschluss wurde „Chromo-Family“ in der Mainzer Unternehmenszentrale von Karl + Co. installiert und im Rahmen der Präsentation des neuen BMW iX3 einem neuen Publikum vorgestellt. Damit zeigt sich exemplarisch, wie zeitgenössische Kunst durch professionelle Vermittlung neue Räume erschließen und dauerhaft sichtbar bleiben kann.
Auch die Zukunft hält spannende Projekte bereit. Gemeinsam mit Kevin Clarke arbeitet die Galerie derzeit an einer Neuinterpretation seines international bekannten Kunstprojekts „The Red Couch – A Portrait of America“. Die originale rote Couch aus den 1980er Jahren bildet erneut den Ausgangspunkt einer Serie von Porträts. Ergänzt wird das Projekt durch filmische Arbeiten und digitale Formate, die mit moderner Greenscreen-Technologie entstehen. Im Zentrum steht dabei das Thema „Unity“ – die Frage nach Verbindung, Identität und Gemeinschaft in einer zunehmend fragmentierten Welt.
Die Arbeit mit Kevin Clarke verdeutlicht, dass erfolgreiche Galeriearbeit weit über den Verkauf von Kunst hinausgeht. Sie schafft Begegnungen, entwickelt Perspektiven und begleitet Werke auf ihrem Weg in die Öffentlichkeit – damit Kunst nicht nur gezeigt wird, sondern bleibt.
