KEVIN CLARKE

Fotografie

 

Kevin Clarke wurde 1953 in New York City geboren. Nach einem Studium der Bildhauerei (Abschluss 1976) an der Cooper Union in New York bei Hans Haacke und Christopher Wilmarth, wandte er sich der zeitgenössischen Fotografie zu. Anschließend verbrachte er vier Jahre in der Schweiz und in Deutschland, wo er an konzeptuellen fotografischen Projekten und Ausstellungen arbeitete.

 

Während der Documenta 6 nahm er an der von Joseph Beuys geleiteten Freien Universität teil. Dazu veröffentlichte Clarke 1986 „Kunst und Medien“, eine Art „Anti-Katalog“ zur Documenta 6, der in den Verkaufszahlen den offiziellen Katalog weit übertraf, weil er vor allem unter jungen Leuten und Studenten sehr beliebt war.

1980 hatte er bereits den Bildband „Kaufhauswelt“ bei Schirmer und Mosel veröffentlicht, eine soziologische Studie in schwarz-weiß Fotografien über die Angestellten des KadeWe im damaligen West-Berlin, wofür er den Kodak Book Award gewann.

 

Darauf folgte 1984 „The Red Couch. A Portrait of America“, veröffentlicht bei Alfred van der Marck Editions/Harper & Row. Mit diesem Projekt, bei dem Clarke bekannte und unbekannte Amerikaner/Innen auf einer roten Couch porträtierte, erlangte er weltweit Bekanntheit. Sein Kollege Horst Wackerbarth, den er zur Realisierung des Projektes herangezoge hatte, beanspruchte später die Idee für sich, unterlag jedoch in der folgenden gerichtlichen Auseinandersetzung. „The Red Couch“ umfaßt rund einhundert Farbfotografien und stellt ein Profil der amerikanischen Bevölkerung in ihrer ganzen Heterogenität dar. Jeder Portätierte mußte sich auf die gleiche rote Couch setzten, die Clarke zu diesem Zweck über den ganzen Kontinent transportierte. Durch die rote Couch als immer wiederkehrendes Motiv entsteht eine komische, fast surrealistische Wirkung, die an Buster Keaton erinnert. Die Fotoserie wurde vielfach ausgestellt und veröffentlicht, als Motiv wurde sie in der Werbung und in den Medien zitiert.

 

Ende der achtziger Jahre kam Clarke in Kontakt zu der Firma Applied Biosystems in Kalifornien, die grade an der wissenschaftlichen Entwicklung des Analyseverfahrens des menschlichen Genoms arbeiteten. Clarke bat die Genforscher, einen non-komparativen, individual-spezifischen Seqenzierungsprozess zu entwickeln. Sie entschieden sich für die Darstellung der polymorphen HLA-DQA-1 Alpha-Region und benutzten Clarkes Blut für diese Experimente: er war somit der erste, dessen DNS-Sequenz entschlüsselt wurde. Inspiriert davon, realisierte er im Jahre 1988 ein Selbstporträt, indem er die graphische Darstellung seiner DNS-Sequenz in Form von Buchstabenfolgen mit einem Foto zu einer Montage verschmelzen ließ. Es sollte das erste Porträt sein, das er auf diese Weise machen würde.

 

Anschließend bereiste er die Welt, um eine Serie von Nachtporträts namens „Awe“ (Ehrfurcht oder Schauer) zu fotografieren, um sich anschließend wieder seinem Interesse an Genetik zu widmen: Die 1992er Fotoserie „From the Blood of Poets“ widmete er amerikanischen Künstlerfreunden, wie John Cage, Jeff Koons und Richard Milazzo. Die Idee dazu kam ihm bei der Lektüre eines Buchs über Picassos Leben, bei dem die Gewohnheit von Künstlern beschrieben wird, sich nach der Vollendung eines neuen Kunstwerks gemeinsam im Atelier zu treffen, um bei einem Glas Wein die neue Arbeit zu beschreiben.

 

Clarkes Porträts zeigen keine fotografische Abbildung des dargestellten, sondern intuitiv gewählte Motive – Landschaften und Stadtansichten, Stillleben und Objekte, die Clarke mit dem “Porträtierten” assoziierte. Diese Motive kombinierte Clarke mit der graphischen Darstellung der DNS-Sequenz der jeweiligen Person , dargestellt in Form von Buchstabenfolgen oder rhythmischen Kurven. Diese Fotomontage verfremdete Clarke zusätzlich durch die Reproduktion im Farbumkehrverfahren.

 

Für das folgende Projekt „The Invisible Body“, ausgestellt im Museum Wiesbaden, schuf der Künstler zwei Serien zu je dreizehn Porträts verschiedener Personen aus New York und Wiesbaden. „The Invisible Body“ ist eine Hommage an das Abendmahl von Leonardo da Vinci: hinsichtlich der Rolle des Künstlers als Beobachter einer Stadt und ihrer Menschen, der Nähe zur Naturwissenschaft und der Darstellung einer Gruppe. Clarke entschied sich, analog zu Leonardo ebenfalls dreizehn Personen zu porträtieren, wobei die Dreizehnte ein Leitmotiv darstellen sollte. Für New York wählte Clarke James D. Watson, den Entdecker der DNS-Struktur der Chromosomen, für Wiesbaden Ute Berger, Fördererin experimentieller Kunst. Der Prozess der Auswahl, des Kennenlernens und das Porträtieren der Beteiligten nahm geraume Zeit in Anspruch, für Wiesbaden knapp zwei Jahre, denn Clarke beschäftigt sich mit seinen Modellen, bis ihm ein Motiv auffällt, was ihn zutiefst an diese Person erinnert. Das kann ein vorüberziehendes Schiff auf dem Rhein genauso sein wie die Struktur einer leergeschleuderten Bienenwabe.

 

Clarkes letztes New Yorker Projekt galt den Anschlägen vom elften September 2001. „Mikey Flowers 9/11“ basiert auf Fotos des Betreibers eines gleichnamigen Blumengeschäfts, der als einer der ersten vor Ort Aufnahmen des kollabierenden World Trade Centers schoß und dabei selbst fast das Leben verloren hätte. Clarke verbindet diese Aufnahmen mit den DNA-Strukturen Überlebender und schafft damit einen optimistischen Gegenentwurf zu jener anderen Anwendung der DNA-Analyse, die verwendet wurde, um die über dreitausend Opfer des barbarischen Terroraktes zu identifizieren.

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