EL EGO

(Plastik)

 

1989 – 1994   Studium Chemie und Pharmakologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M.

2000 – 2005   Studium Philosophie an der Fernuniversität Hagen

seit 2003   Buchautor

seit 2008   Freier Kurator

seit 2009   Gründung des KunstRaum Riedberg an der Goethe-Universität in Frankfurt/M.

seit 2017   EL EGO

 

seit 2019 vertreten durch die Galerie RUBRECHTCONTEMPORARY, Wiesbaden

 

 

 

 

Epikunst

Epikunst ist Kunst über die Kunst. bedeutet, dass sich etwas auf etwas anderes draufsetzt. So wie Epiphyten Pflanzen sind, die an anderen Pflanzen hochranken und auf diesen leben, so befasst sich Epikunst mit anderer Kunst und nimmt diese zur Basis. Sie reflektiert Kunst und Künstler auf einer Metaebene, inspiriert durch den Ausspruch von Jean-Christophe Ammann: „Ein Künstler kann heute nichts mehr neu entwickeln, allenfalls für sich etwas neu entdecken.“

Alle Kunst ist in irgendeiner Form oder genau so schon einmal hervorgebracht worden. Es ist extrem schwer, etwas gänzlich Neues zu schaffen, etwas, das es so noch nicht gab. Die Malerei wurde schon lange für tot erklärt, auch der Skulpturenbegriff ist seit den Skulptur Projekten Münster 2017 in der Auflösung begriffen. In dieser gegenwärtigen Zeit also mit neuen, nie da gewesenen Sehweisen zu überraschen, ist extrem schwer geworden. Die Grenzen zwischen Kunst und Design sind bereits hinreichend untersucht worden. Die Verwendung von allen möglichen und unmöglichen Materialien bei Bildern, Reliefs und Plastiken ist auch schon erfolgt, und so, wie in der Musik verschiedene Stilrichtungen – mehr oder weniger gut und passend – in den letzten Jahrzehnten kombiniert wurden, so kann man die vorhandenen Kunst- und Stilikonen auf einer Metaebene reflektieren. Genau dies ist der Ansatz von EL EGO.

Im vorliegenden Katalog sind Künstlerwörter aus Lego abgebildet. Lego selbst ist ein Material, das bislang kaum in der bildenden Kunst verwendet wurde. Bekannt sind die platonischen Körper von Ottmar Hörl, aber auch die Arbeiten von Jan Vormann im öffentlichen Raum. Die Umsetzung der künstlerischen Idee mit Lego bietet diverse Vorteile. Der größte Vorteil ist zunächst, dass das Ausgangsmaterial heute sehr gut zugänglich ist. Man kann es bestellen und sich liefern lassen. Es lässt sich gut verarbeiten und nimmt wenig Raum ein. Da die Objekte plastisch aufgebaut werden, entsteht auch kein Abfall und eine Optimierung ist jederzeit möglich. Jedoch bemüht sich EL EGO, die Objekte nicht ständig umzuarbeiten, damit die spontane Idee noch sichtbar bleibt. Die Künstlerwörter entstehen meistens in ein bis zwei Stunden in einer spontanen Eingebung.

Ausgangspunkt für die Arbeiten ist die Frage, welche Kunstwerke für welche Künstler typisch sind und wie sich diese in den Wörtern oder durch knappe ikonografische Zeichen oder Körper abbilden und assoziieren lassen. Die Künstlerwörter setzen eine relativ breite zeitgenössische Kunstrezeption voraus. Der Betrachter sollte einen guten Überblick über die Kunst der letzten fünfzig Jahre haben, um die Anspielungen zu verstehen. Dabei zeigt sich, dass immer solche Vorlagen gut funktionieren, die auf eine ganz typische Handschrift eines Künstlers abzielen. Je stärker das Alleinstellungsmerkmal eines Künstlers oder einer Künstlerin in der breiten Wahrnehmung ist, desto besser eignen sich die Arbeiten als Vorlage für Epikunst. Gleichzeitig bestätigt sich durch die pointierte Umsetzung in Form eines Künstlerwortes die Durchsetzung einer bestimmten Bildsprache. Je klarer das künstlerische Statement, desto knapper und prägnanter das Künstlerwort. Die zeitgenössische Kunst wird also zur Grundlage der Epikunst.

EL EGO entwickelt an der Basis nichts Neues. Die vorhandene Kunst wird lediglich neu rezipiert, und es wird noch einmal ein Filter über sie gelegt und nach typischen Formsprachen gesucht. In einer Zeit, in der die Kunstproduktion wuchert und es wenig wirksame Filter gibt, um das Wichtige vom Epigonalen zu trennen, erscheint Epikunst als eine Art Brille, die das Sehen schärft. An dieser Stelle sei vielleicht Elaine Sturtevant erwähnt, die bereits vor vielen Jahren Werke anderer Künstler originalgetreu kopiert hat, um auf ihre Qualität hinzuweisen. Sturtevant tat dies zu einem Zeitpunkt, als die kopierten Kunstwerke noch nicht weltberühmt waren, und sie hatte ein erstaunliches Gespür, die „richtigen“ Werke auszuwählen – sehr zum Leidwesen mancher der betroffenen Urheber. Sie hat zwar die Frage nach der Urheberschaft künstlerisch bearbeitet, jedoch kann man einen gewissen Epi-Charakter durchaus ausmachen.

Einige der Wortplastiken existieren als Fotografien, in denen die Wörter leicht vergrößert wiedergegeben werden. Die Wörter verlieren ihren reliefartigen Charakter, werden noch plakativer und dadurch zum Teil auch provokanter. Der Betrachter assoziiert mit dem Material Lego immer noch eine gewisse Harmlosigkeit und eine Aura als Spielzeug. Dies verliert sich jedoch, wenn die Arbeiten ins Zweidimensionale ohne äußere Bezugspunkte transformiert werden. Die Objekte werden in neutraler Umgebung fotografiert und in Zentralperspektive dargestellt.

In der Kunst-Zeitung vom April 2018 finden Sie den Beitrag „Gegen das Vergessen“ von Dorothee Baer-Bogenschütz über meine Lego-Arbeiten.

 

IMPRESSIONEN

GALERIE KONTAKT

Direkt: Leander Rubrecht, cell ++49 176 816 650 31, lr@rubrecht-contemporary.com

Tel ++49 611 205 211 5, Büdingenstrasse 4-6, 65183 Wiesbaden, Deutschland

 

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