STEFAN STICHLER

(Malerei, Objekt)

 

1972 geboren in Marburg

1991 Abitur in Frankfurt am Main

1995 Abgeschlossene Ausbildung zum Tischler

1998 Beschluss, sich nicht an einer Kunsthochschule zu bewerben.

 

Lebt und arbeitet in Frankfurt und Düsseldorf.

 

Seit 2003 zahlreiche Einzel-und Gruppenausstellungen. 

Vertreten in zahlreichen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen.

Seit 2015 vertreten durch Leander Rubrecht, Galerie RUBRECHTCONTEMPORARY

 

 

Im Heimweh ist ein blauer Saal
Unterwegs in den Bildern Stefan Stichlers


Es sind die Zaubersprüche, die den Schlüssel liefern.
Nicht „Simsalabim“, nicht „Abracadabra“, nein, so billig
kommt man nicht davon bei Stefan Stichler. Magisch aber
darf man sie schon nennen, die Collagen und
Papierarbeiten, die sein malerisches Werk kontinuierlich
begleiten. „Schweigen“, mag man da in akkuraten
Druckbuchstaben auf monochromer Fläche lesen,
„Traum“ vielleicht und „Mond“, „Heute – Familien -
Burn-out“ als Stammessen des Tages, „Sex“ und „Sieben“
und ein „großer Luxus“. Es fehlte nicht viel, und man
möchte an die Collagen Herta Müllers denken.
Von Rauchfang und Wolkenziege kann man in den
collagierten Versen der Nobelpreisträgerin lesen, von
„Tagen, die dem Kopf zu groß“ und einem Nebel, der
„trägt ein Hemd aus Rost und Milch“. All das ließe sich in
der einen oder anderen Form auch in den Bildern Stefan
Stichlers finden. Doch wo Müller Wortspiel, Fantasie und
Tag- und Albtraum in nichts als Poesie verwandelt, ist sie
dem Maler zunächst einmal vor allem Material; sind
„Schweigen“, „Pleite“, Bambi“, „Bush“ ihm tatsächlich
Sprach-Bilder, Snapshots und im Alltag gleichsam
vorgefunden Gedankenfetzen, Geistesblitze, „Frankfurt,
Blicke“, wie man in Anlehnung an Rolf Dieter Brinkmann
sagen möchte, die Stichler sein Archiv vorstellen.
Ein Skizzenbuch, das nicht in erster Linie Motive, sondern
Gesten und Bewegungen enthält, Räume und Situationen,
Haltungen und Zustände, die sich der Maler selbst
geradeso wie seine Protagonisten wohl nicht immer ganz
erklären kann. Und doch findet sich hier in abstrakter, weil
sprachlich verdichteter Form, was sich auch in Stichlers
Skizzen, Fotos und Linolschnitten entdecken lässt, die
seinen Weg zum oder besser noch ins Bild begleiten.
Nicht umsonst wählt der Künstler in aller Regel große,
Figur und Bildbetrachter auf Augenhöhe
zusammenführende Formate, die man wie ein zuvor
verschlossenes Zimmer, wie einen geheimen Raum hinter
dem Spiegel recht eigentlich betreten kann.
Wo ihn Stichler einfach stehen lässt. In wie geträumten
und zugleich seit jeher schon vertrauten Räumen. Denn
immer, scheint es, handelt es sich um belebte Situationen,
den urbanen Raum etwa, einen Spielplatz, ein Café
vielleicht, die Matratze unter einer Brücke und
dergleichen mehr. Und doch bleibt jeder hier am Ende
ganz für sich allein. Ganz bei sich gelegentlich, mal außer
sich, mal vor allem einsam, ratlos oder merkwürdig
verloren; still, wie angewurzelt auf der Stelle, während
sich die Welt um ihn herum ganz selbstverständlich weiter
dreht. Und irgendwann setzt Schwindel ein.
Hier und da mag man an Edward Hopper denken und
seine heimatlos verlorenen Figuren, an Neo Rauch
womöglich auch und seine Bilderrätsel. Und in der Tat
mag man auch Stichler einen Erzähler von mal mehr, mal
weniger fantastischen Geschichten nennen. Allein, sie sind
noch stets von dieser Welt. Und, mehr noch, funktionieren
ohne den Betrachter nicht. Sicher, es gibt wiederholt
auftauchende Metaphern und Motive. Wegmarken in
malerisch nur scheinbar übersichtliches Gelände,
Orientierungspunkte auf dem Weg ins Bild. Das
Skateboard etwa, die Schraubzwinge, die hier, was fallen
will, zusammenhält, dort, was auseinanderstrebt,
zusammenzwingt; es gibt den Harlekin oder das
Selbstbildnis und das mal Globus, mal Leuchte und mal
Wäschesack vorstellende Pendel, das allein der Künstler
so gerade eben in der Schwebe hält. Rauchs Manierismus
aber ist ihm dann doch eher fremd.
Nie wird hier das Universum auserzählt. Stichlers Malerei
ist im Gegenteil bei aller Fülle voller weißer Flecken.
Leerstellen, die wir mit eigenen Bildern, Snapshots und
Gedankenfetzen, kurzum: mit unseren eigenen
Geschichten, Ängsten und Erinnerungen füllen. „Im
Heimweh ist ein blauer Saal“, heißt es bei Herta Müller,
„vor dem ich mich hüten muss“. Und immer wieder will
es uns vor Stichlers Bildern scheinen, als stünden wir
gerade jetzt vor der verschlossenen Tür. Bis wir, zögernd
erst, bald atemlos, zitternd womöglich und mit klopfenden
Herzen die Hand auf die Klinke legen. Und erst in unseren
eigenen Träumen wieder zu uns kommen.
Text von Christoph Schütte, 2021


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